04.06.2008


Theodor Ickler

Nachnachruf

Gerhard Helbig

Thomas Steinfeld würdigt in der SZ den kürzlich verstorbenen Germanisten Gerhard Helbig. Dessen Grammatiken und Übungsbücher (Helbig/Buscha: "Deutsche Grammatik" gilt als Standardwerk) seien als verläßliche Grundlage des Deutschunterrichts überall geschätzt.

Helbig ist oft geehrt worden, in der Zeitschrift "Deutsch als Fremdsprache" hat er die Valenzgrammatik frühzeitig verbreitet. Sein Handbuch ist nach der Wiedervereinigung expurgiert und von Langenscheidt übernommen worden.

Helbig war ein braver Kerl, als Germanist hat er zwar nichts Neues herausgefunden, aber die Grammatik war immer verhältnismäßig leicht benutzbar, im Gegensatz zur Dudengrammatik, die inzwischen für normale Menschen vollends unlesbar geworden ist.

Kurioserweise hat Helbig eigentlich mit Deutsch als Fremdsprache nichts zu tun, obwohl er der bekannteste Fachvertreter ist. Aber wer hätte je in seinen Arbeiten etwas Fremdsprachenspezifisches entdeckt?

Gegen Ende seines Lebens gab es einen Sündenfall, den ich anderswo schon kommentiert habe:

»Gerhard Helbig: Zur Bedeutung der Wörter. Darmstadt 2004

Es handelt sich um ein populäres etymologisches Wörterbuch, das nach folgendem Muster kompiliert ist:
„Atlas: 'Kartenwerk, besonders der Erd- und Himmelskunde'
Das Wort wird so zum ersten Mal verwendet im Titel eines großen kartographischen Werks (1595) des Geographen G. Kremer (gen. Mercator). Atlas ist ursprünglich der Name einer Gestalt aus der griech. Mythologie, des Titanen Atlas, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt und später zu einem mythischen König von Mauretanien umgedeutet wird. Die Figur des Himmelsträgers ist auf dem Titelblatt von Mercators Kartensammlung abgebildet.“

Hier die Vorlage, Wolfgang Pfeifers Etymologisches Wörterbuch:

„Atlas: 'Kartenwerk', bes. der Erd-und Himmelskunde. Der Ausdruck erscheint in dieser Verwendung zum ersten Mal im Titel eines großen kartographischen Werks (1595) des Geographen G. Kremer, genannt Mercator. Er ist ursprünglich der Name einer Gestalt der griech. Mythologie, des Titanen Atlas (...) der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt und später zu einem mythischen König von Mauretanien umgedeutet wird. Die Figur des Himmelsträgers ist auf dem Titelblatt von Mercators Kartensammlung abgebildet.“

Wo es wirklich interessant werden könnte („Meerrettich“ u.ä.), weiß Helbig nichts zu sagen oder nur ganz Läppisches, und selbst dies ist abgeschrieben.«



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