zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Sie sehen die neuesten 12 Kommentare

Nach unten

Durch Anklicken des Themas gelangen Sie zu den jeweiligen Kommentaren.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 01.10.2022 um 04.52 Uhr verfaßt.

Es ist unmöglich, Schülern beizubringen, wie das generische Maskulinum und andere neutralisierbare Oppositionen funktionieren, wenn gleichzeitig die Gender-Ideologie mit ihrer Scheinplausibilität von allen Seiten auf sie einprasselt, angeleitet von den Kultusministerien, die strukturell unfähig sind, die Tatsachen zu verstehen. Außerdem wirkt der Bann über gewisse Wörter und Formen selbstbestätigend. Auch wer die Begründung für falsch hält, muß mitmachen.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 01.10.2022 um 04.37 Uhr verfaßt.

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#49378

Der neueste Bericht des IUCN bestätigt die entscheidende Rolle der Landwirtschaft beim Schwund der Vögel nach Arten und Individuen.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 30.09.2022 um 08.01 Uhr verfaßt.

Vielleicht ist es eine Alterserscheinung, aber ich halte es für sinnlos, den Genderwahn durch Aufklärungsarbeit bekämpfen zu wollen. Man muß ihn sich selbst überlassen und darauf hoffen, daß er an seinen eigenen Widersprüchen ersticken wird.

Beim Tierschutz läuft es ähnlich (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1505#49703). Man engagiert sich für Hunde und wird unversehens zum Rassisten.

Den unaufhebbaren Widerspruch in der Ideologie der PC und des Genderns haben wir schon oft gesehen: Das Ignorieren der Unterschiede im Namen der Gleichstellung und die ständige Hervorhebung der Unterschiede im Namen der "Identität" sind nicht zu versöhnen.

Toleranz für die Intoleranten wird selbst zur Intoleranz usw.


Theodor Ickler zu »„Wissenschaftliche Prosa“«
Dieser Kommentar wurde am 30.09.2022 um 07.51 Uhr verfaßt.

Hans Jürgen Eysenck erwähnt, daß Freuds Schreibweise in dem Augenblick künstlich und verschroben wurde, als er sich mit Anfang 40 von der Neurologie verabschiedete und die Psychoanalyse aufbaute. Und ausgerechnet dieser Spätstil gilt als so musterhaft, daß die DASD ihn zum Paten ihres Preises für wissenschaftliche Prosa machte! Sich einen anderen Paten zu suchen wäre – wegen der hundertfach nachgewiesenen Verlogenheit Freuds – dringender als die Umbenennung von Straßen.


Stephan Fleischhauer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 30.09.2022 um 06.11 Uhr verfaßt.

Hier noch ein bißchen ÖRR-Propaganda fürs Gendern und nebenbei für Neopronomen (letzteres im Video).

https://swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/gendern-in-der-schule-bw-100.html


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 30.09.2022 um 05.37 Uhr verfaßt.

Zur Macht der Sprache:

Die kostenlose Abgabe von Masken durch die Apotheken, die dafür vom Staat sechs Euro und mehr bekamen, erfolgte „unbürokratisch“, d. h. es wurde weder damals noch seither kontrolliert, so daß die Apotheker nach eigenem Geständnis sich „dumm und dämlich“ verdient haben (nach offizieller Schätzung lassen sich 80.000 Euro Zusatzgewinn pro Apotheke errechnen). Das ist meistens so, wenn es „unbürokratisch“ zugeht. Eigentlich müßte Tausenden von Apotheken die Lizenz entzogen werden; die Inhaber gehören hinter Gitter.

Gewisse dänische Prinzen und Prinzessinnen sollen auf Wunsch der Königin diesen Titel nicht mehr tragen, sondern nur noch Grafen heißen. Eine Tragödie. „Die Kinder fühlen sich ausgegrenzt. Sie können nicht verstehen, warum ihnen ihre Identität genommen wird.“
Wir haben schon lernen müssen, daß unter „Identität“ die Zugehörigkeit zu einer abstrakten Gruppe (am besten einer Minderheit) zu verstehen ist, also das Gegenteil von Individualität. Nun also das Tragen eines Titels.
Man stellt sich ein kleines Mädchen vor, das weinend in der Ecke seines Kinderzimmers sitzt, weil es nicht mehr Prinzessin heißen darf. Dann doch lieber gleich bürgerlich geboren sein und mit anderen Kindern im Dreck spielen!


Manfred Riemer zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 29.09.2022 um 22.06 Uhr verfaßt.

zu
Das Kind lernt also "gakgak" am Huhn und nennt dann auch Bienen so:

Unsere Enkel wollen immer "die Entchen" auf meinem Handy oder Tablet sehen. Es gibt da so ein hübsches Video des Liedes "Alle meine Entchen" in drei Strophen, zuerst Entchen, dann Täubchen, und zum Schluß sieht man die "froh" hüpfenden Hühnchen, nachdem sie ein Körnchen gefunden haben. Die zweitjüngste Enkelin quittierte diese Szene, als sie noch erst wenige Worte sprechen konnte, immer mit "Häschen hüpf".


Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 29.09.2022 um 19.10 Uhr verfaßt.

Quines Problem besteht darin, daß wir die Wörter an Einzelfällen lernen, aber nichts über die Extension erfahren, also den Anwendungsbereich. Das Kind lernt also "gakgak" am Huhn und nennt dann auch Bienen so (auch Walther von der Vogelweide rechnet die Mücken zum Geflügel...) Viele Kinder nennen alle Männer "Papa"... aber irgendwann lernen sie es doch.


Stephan Fleischhauer zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 29.09.2022 um 10.42 Uhr verfaßt.

Bommel kennen schon kleine Kinder von der Pudelmütze, die Quaste kennt man auch als breiten Pinsel. Vielleicht braucht man deshalb kein gesondertes Wissen über Textilverzierungen.


Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 29.09.2022 um 07.51 Uhr verfaßt.

Den Unterschied zwischen Quaste und Bommel bestimmt meine Frau auf Befragen ganz genau so wie ich, und auch mit anderen Muttersprachlern dürfte man sich schnell einigen können. Vgl. Wikipedia zu beidem. Den Oberbegriff Posament kennen wir zwar passiv, haben ihn aber wohl noch nie selbst verwendet.

Diese Intuition kann nur aus der Erfahrung mit dem Gebrauch stammen, denn ganz gewiß hat nie jemand ausdrücklich darüber gesprochen und die Differenzierung vorgenommen. Das ist erstaunlich, weil wir sehr selten über Quasten und Bommeln sprechen, wahrscheinlich jahrelang überhaupt nicht. Höchstens daß die Kinder mal eine Bommelmütze aufgesetzt bekamen.

Es gibt zahllose weitere Fälle dieser Art. Dürftiger Input, aber sehr sichere Ergebnisse, sozusagen die genaue Umkehrung von Quines "Unbestimmtheit der Übersetzung" (Gavagai-Gedankenexperiment).


Theodor Ickler zu »Nichts lernen aus Metaphern«
Dieser Kommentar wurde am 29.09.2022 um 05.43 Uhr verfaßt.

Wenn jemand schreibt die bekannte Geschichte, will er andeuten, daß er die Geschichte kennt, obwohl sie NICHT bekannt ist. Von einem wirklich bekannten Werk wie Goethes „Faust“ würde man nicht sagen der bekannte „Faust“. Ich könnte aber sagen das bekannte Finnsburg-Epos. Ebenso: Im Úiúupâlavadha wird die sprachliche Akrobatik bekanntlich auf die Spitze getrieben. Der Hörer soll vor Staunen über meine Belesenheit zusammenschrumpfen. Das Ganze ist also Angeberei und sollte aus Gründen des guten Geschmacks vermieden werden.

(Übrigens: Im Wikipedia-Eintrag https://de.wikipedia.org/wiki/Finn_von_Friesland steht zweimal Wolfgang Putsche statt Putschke.)

Eine ähnliche Logik verhindert, daß man sagt: „Antigone“ ist eine Art von Tragödie. Wörtlich stimmt es ja, aber da es sich um die klassische Tragödie schlechthin handelt, an der wir überhaupt erst lernen, was eine Tragödie ist, wäre die autoklitische Einhegung durch einen Heckenausdruck (Hedge) fehl am Platz. Schon Cicero empfahl, eine gewagte Wortwahl durch ut ita dicam einzuhegen (De oratore 3, 40, 163). Es ist aber nichts Gewagtes daran, wenn man „Antigone“ eine Tragödie nennt.


Theodor Ickler zu »Sprachverführtheit«
Dieser Kommentar wurde am 28.09.2022 um 07.41 Uhr verfaßt.

„Bewußtseinszustände haben immer einen Inhalt.“ (John R. Searle: Die Wiederentdeckung des Geistes. München 1993:103) Was sind Zustände mit einem Inhalt? Außerdem sollen diese Zustände auf etwas gerichtet sein bzw. von uns auf etwas gerichtet werden: „Wir können einen Geisteszustand auf einen anderen richten...“ (ebd. 165) Das alles umschreibt nur den Gebrauch von transitiven Verben. Die philosophierende Überhöhung ist einfach Unsinn.


Die neuesten Kommentare

Zurück zur Übersicht | nach oben


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM