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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Manfred Riemer zu »Redensarten«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 15.59 Uhr verfaßt.

Ja, darin gibt es offenbar Unterschiede. Im Norden wird auch das im Hochdeutschen kurze i wohl unabhängig von der Zahl immer etwas länger und geschlossen ausgesprochen. Ich muß gelegentlich einmal speziell darauf achten (der pommersche Familienanteil ist leider mittlerweile schon sehr klein).


Gunther Chmela zu »Redensarten«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 11.58 Uhr verfaßt.

"Nicht nur in Bayern. "Ein Schief... "
Ist denn dann die Pluralbildung auch ähnlich wie bei uns?
Im Bairischen: "da Bliez", Pl. "de Blitz", "as Schief", Pl. "de Schiff".
Bei vielen Substantiven ist der dann kurze Vokal die einzige Möglichkeit, den Plural zu kennzeichnen,wenn keine andere Pluralbildung üblich ist.


Manfred Riemer zu »Redensarten«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 11.27 Uhr verfaßt.

zu #49144:
Wollte ich doch schon immer wissen, was das mit einem macht. Nun ist es wenigstens ein bißchen klarer: Es faßt einen an!

Die Redensart paßt besonders zu den Leuten mit der Eigenart, beim Reden ihr Gegenüber dauernd anzutatschen.




Manfred Riemer zu »Redensarten«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 11.14 Uhr verfaßt.

Nicht nur in Bayern. "Ein Schief wird kommen" (Lale Anderson), usw. In der Familie meiner aus Pommern (Schneidemühl) stammenden Mutter wird auch so gesprochen.


Gunther Chmela zu »Redensarten«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 10.06 Uhr verfaßt.

Zum Dialekt ein Beispiel aus meiner eigenen Kindheit.
Ich habe geglaubt, der Vogel Fischreiher heiße "Vieh-Schreier".
Wenn man im altbairischen Sprachgebiet daheim ist, dann ist die Erklärung dafür einfach: Da im Bairischen in einsilbigen Substantiven im Singular der Vokal immer lang gesprochen wird, klingt der "Fisch" also wie "Fiisch", bzw. "Fiesch" o. ä. Der Rest ergibt sich von selbst.


Theodor Ickler zu »Homunkulus«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 06.39 Uhr verfaßt.

Menschen „haben gelernt, Y zu tun, wenn die Bedingung X vorliegt. Und es liege X vor. Also tun sie Y. Dieser Vorgang folgt offensichtlich einem ‚psychologischen Syllogismus‘.“ (Theo Herrmann:Allgemeine Sprachpsychologie. Grundlagen und Probleme. 2. Aufl. Weinheim 1995:58)

Auch als technischer Regelkreis zu modellieren (59). Das Apfelpflücken wird dadurch ausgelöst (ausgewählt), daß das UOS [„Umgebungsrepräsentations- und Operatorenauswahlsystem“] die Informationen hat, daß Apfelhaben vor Apfelnichthaben präferiert wird und daß der Apfel nicht gehabt ist. (Also das Schema von Absicht und Einsicht, Intention und Kognition usw., das jedes Verhalten scheinbar erklärt.)

„Die soeben betrachtete Auslösung eines Sprachproduktionsvorgangs war in bestimmter Weise durch eine im Sprechersystem repräsentierte Konvention geleitet; sie folgte dem allgemeinen Schema: Gesollt ist ein bestimmtes eigenes Verhalten, wenn ein bestimmtes partnerseitiges Verhalten vorliegt, und dieses partnerseitige Verhalten liegt vor.“ (Hermann/Grabowski: 274)

Ich sehe in solchen Formulierungen nur eine stark verfremdete Darstellung konditionierten Verhaltens: Gegrüßtwerden erhöht aufgrund von Lernen die Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens, das als „Wiedergrüßen“ gilt. „Konvention“, „Gesolltes“ usw. haben in einer Verhaltensanalyse eigentlich nichts zu suchen und in einer Analyse, die dem das Verhalten erzeugenden Apparat (System, Organismus) gilt, natürlich noch viel weniger.

Schon bei Tauben oder Ratten wirkt der praktische Syllogismus lächerlich. Tauben haben gelernt, auf eine Scheibe zu picken, wenn ein rotes Licht aufleuchtet. Das Licht leuchtet auf, also... Spinnen fangen Fliegen, Amöben meiden Säure. Es ist ganz leicht, dem einen praktischen Syllogismus unterzuschieben.

Einen Wissenschaftler sollte es schaudern, wenn er hört: „Umgebungsrepräsentations- und Operatorenauswahlsystem“. Man kann es „formalisieren“ (abkürzen) und in Schaltbilder einfügen, aber es bleibt pseudokybernetischer Humbug. Das Mannheimer Modell der Sprachproduktion ersetzt den traditionellen Homunkulus durch eine Behörde. Theo Herrmann wußte das, traute sich aber nicht, sein jahrzehntelang gepflegtes Modell aufzugeben und damit auch die Qualifikationsarbeiten seiner zahlreichen Schüler (auch seiner Freunde wie Levelt) zu Altpapier zu machen.

Wie kommt man von der Conclusio des psychologischen oder praktischen Syllogismus zum Verhalten selbst? Das ist ja nicht trivial. Das „Gesollte“ (nach Herrmann) wird nicht automatisch zu einem Getanen. Ein Satz, auch eine Aufforderung, ist zunächst eine Lautkette. Deren praktische Folgen müssen doch auch konditioniert worden sein usw. (infiniter Regreß) - Also kann man sich das logisierende Zwischenstück der „Syllogismen“ auch sparen.


Theodor Ickler zu »Redensarten«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 05.12 Uhr verfaßt.

Noch zum Dialekt:

In meiner Kindheit hieß Kartoffelbrei, besonders wiederaufgewärmter, "Babbch". Das habe ich erst als Erwachsener durchschaut (Pappig, von meinem sächsischen Großvater her).

In Kassel gab es den äußerst nahr- und schmackhaften Speckkuchen. Man stand dichtgedrängt auf dem baumbestandenen Lehmboden des heute vollkommen sterilisierten Königsplatzes und führte sich die dringend notwendigen Kalorien zu. Ein Lieferwagen brachte stündlich die großen Bleche mit Nachschub. Außer Speckgrieben lagen auf dem heißen Brotteig Stücke von "Spannschlauch". Es machte mir nichts aus, dieses absurde Wort hinzunehmen. (Spanisch Lauch - das sind Frühlingszwiebeln, die aber auch heute noch überall anders heißen.)


Theodor Ickler zu »Redensarten«
Dieser Kommentar wurde am 26.05.2022 um 05.00 Uhr verfaßt.

In den Medien liest und hört man jetzt ständig, jemand sei "angefaßt", "das faßt mich sehr an" usw. Anscheinend eine Neuübersetzung von touch.

Der Betroffenheitswortschatz ist besonders erneuerungsbedürftig, sonst glaubt einem keiner (Synonymenschub).


Theodor Ickler zu »Ohne große Mühe«
Dieser Kommentar wurde am 25.05.2022 um 17.52 Uhr verfaßt.

Die humanistisch gebildete Dorothy Sayers zitiert besnders im Universitäts-Krimi "Gaudy Night" einiges auf latein. So fast wörtlich aus den Statuten der Universität Oxford: statutum est quod Juniories Senioribus debitam et congruam reverentiam tum in privato tum in publico exhibeant.
Sie übersetzt es nicht, aber natürlich findet man im Internet Hilfe: "Translations of Latin in Dorothy Sayers’ Gaudy Night" (https://owlcation.com/humanities/latin-dorothy-sayers-gaudy-night)

Man kann sich aber denken, daß ein Englischsprachiger wenig Mühe hat, den schlichten Satz auf Anhieb zu verstehen, im Gegensatz zu Deutschen. Schönes Beispiel für die verschiedenen Sprachgeschichten.



Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 24.05.2022 um 13.08 Uhr verfaßt.

Der heutige MM bringt auf S. 4 einen gut lesbaren Artikel, was damit zu tun hat, daß durchgehend das generische Maskulinum verwendet wird. Es geht um den Frauenanteil bei Polizisten in BW, der zu niedrig sei. Einige Zitate daraus:

Bei den Polizeibeamten im Land machen Frauen nicht einmal ein Drittel aus

Nicht einmal jeder dritte Polizeibeamte im Land ist weiblich.

In der Schutzpolizei waren zu Jahresbeginn 7143 Frauen tätig. Das sind 28,9 Prozent der 24747 Streifenbeamten.

Allerdings gibt es nur 4120 Kriminalbeamte, darunter 1230 Frauen.

Bei den Neueinstellungen sei inzwischen fast jeder zweite Anwärter eine Frau.

Im Zeitraum von 2016 bis 2021 wurden mehr als 9000 Nachwuchspolizisten eingestellt. Aktuell sind 46 Prozent der Neulinge Frauen

Als ein Beispiel führte er die Kita auf dem Gelände der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen an, die Plätze für Kinder von Hochschülern und Mitarbeitern freihält.

Es geht also doch, wenn man gelesen und verstanden werden will.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 24.05.2022 um 04.31 Uhr verfaßt.

Mit mehr Recht würden sie die Kirchen verhüllen.

Aber das kommt auch noch. Christo, hilf!


Stephan Fleischhauer zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 23.05.2022 um 16.06 Uhr verfaßt.

Für den Katholikentag wird ein Reiterdenkmal des AfD-nahen Kaiser Wilhelm I. verhüllt.

https://de.catholicnewsagency.com/story/veranstalter-des-katholikentags-verhuellen-reiterdenkmal-von-kaiser-wilhelm-i-bericht-10914

Die Originalmeldung ist nicht mehr aufrufbar.


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