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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Noch Mal«
Dieser Kommentar wurde am 22.01.2020 um 07.44 Uhr verfaßt.

Die Beseitigung des millionenfach belegten Wortes jedesmal, einer reihenbildenden Univerbierung, ist das beste Beispiel für die Willkür der Reformer und dafür, daß sie sich nicht um den Schreibgebrauch scherten, wie sie es heute zu tun behaupten. Auch an eine Rücknahme dieses Willküraktes denken sie nicht. Korrekturprogramme haben naturgemäß keine Schwierigkeit damit, so daß seine Ersetzung in Texten gut funktioniert. Insgesamt trägt die sinnlose Maßnahme zur bleibenden Ungreifbarkeit der Regelung zu {i]mal/Mal[/i] bei. Dem Rechtschreibrat ist es untersagt, sich damit zu befassen.


Theodor Ickler zu »Valenz«
Dieser Kommentar wurde am 22.01.2020 um 07.25 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1124#32508

«Lebt und arbeitet in . . .» Das ist die Floskel, die Museumskataloge und Künstlerbiografien ziert wie die Fettquote eine Joghurtverpackung. (https://www.kunstkulturquartier.de/news-detail/blog/177?cHash=c5e375d1c9e3ee24ee45e220817c8b27)

Wulf Kirsten lebt und arbeitet in Weimar. (Wikipedia)

Man kann irgendwo wohnen und anderswo arbeiten. Schriftsteller arbeiten gewöhnlich dort, wo sie leben. „Er lebt in London und arbeitet in Los Angeles“ ist bei einem Schriftsteller nicht denkbar.





Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 22.01.2020 um 07.08 Uhr verfaßt.

Viele Pressefotos zeigen Schulkinder, die gemeinsam mit heller Begeisterung in einen gelben (offensichtlich nagelneuen) Rechtschreibduden blicken. In anderen Zusammenhängen sitzen sie strahlend vor einem Bildschirm, als sei es das erstemal in ihrem Leben („neues Lernen“!).
Das sind wahrscheinlich "Symbolfotos" und daher keine Lügen.



Theodor Ickler zu »Böse Buben«
Dieser Kommentar wurde am 22.01.2020 um 06.45 Uhr verfaßt.

Im Rückblick erkennt man deutlicher, daß die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung unter Christian Meier tatsächlich die von den Reformbetreibern gefürchtete Gegenmacht war (weshalb ja Meier auch mit mir zusammen in Karlsruhe war - als einzige Kritiker). Unter Klaus Reichert (= Eisenberg) wurde sie um 180 Grad gedreht, wollte an den einstimmig angenommenen Gegenentwurf (von mir) nicht mehr erinnert werden, wandte sich in frechster Weise gegen die eigenen Mitglieder und vertrat fortan die Interessen der Schulbuchverlage (und Peter Eisenbergs).

Möglich wurde dies alles, weil die große Mehrheit der Mitglieder sich für Sprache nicht interessiert und die jährlichen Tagungen bestenfalls als nette Gelegenheit zum Wiedersehen wahrnimmt. Es ist wirklich ein sehr lockerer Verein mit dem Hauptzweck der Preisverleihung. Die Mattigkeit (die vielgenannte "Verschnarchtheit") geht auch aus der Website hervor.


Theodor Ickler zu »Die Schulbuchverleger und die Rechtschreibreform«
Dieser Kommentar wurde am 22.01.2020 um 05.47 Uhr verfaßt.

Während die millionenfache Vernichtung von Kinder- und Jugendbüchern wg. Rechtschreibreform ganz unnötig und ein kultureller Schaden größten Ausmaßes war, mußten die reformierten und immer wieder revidierten Rechschreibmaterialien, allen voran das jeweilige Rechtschreibwörterbuch, natürlich vernichtet werden. Ich hatte geschrieben:

Im April 1996, also noch vor der Wiener Absichtserklärung, verschenkte der Lehrmittelverlag AOL an alle 40.000 Schulen das Rowohlt-Buch „Die neue deutsche Rechtschreibung“. In Zusammenarbeit mit Bertelsmann hatten sämtliche Schulen „seit April 1996 regelmäßig und mehrfach Arbeitsbücher, Nachschlagewerke sowie Lehr- und Lernmittel zur neuen Rechtschreibung“ erhalten (Pressemitteilung AOL laut AP vom 3.10.1997; AOL und Bertelsmann betrieben eine gemeinsame Internet-Seite: www.neue-rechtschreibung.de).

Diese gewaltige Produktion war buchstäblich für den Müll. Aber das ist nicht der eigentliche Schaden. Der ist immaterieller Art: Mehrere Jahrgänge von Schülern hatten etwas gelernt, was bald darauf wieder verlernt werden mußte. Das gelang natürlich nur teilweise, und nach weiteren Revisionen und einer immer unverständlicher werdenden Darstellung hat sich in den Köpfen eine nie mehr aufzulösende Verwirrung eingestellt, wie man an den unzähligen Fehlschreibungen erkennt, die teilweise noch bis in jene erste Phase zurückreichen.

Ich erinnere mich an den exemplarischen GfdS-Vorsitzer Hoberg, der die Meinung verfocht: Die Reform mag nicht gelungen sein, aber jetzt wollen wir sie erst einml durchsetzen und dann weitersehen. So wurden ganze Schülerjahrgänge zu Versuchskaninchen. Irgend jemand soll von einem menschenverachtenden Massenexperiment gesprochen haben.


Manfred Riemer zu »Laut-Buchstaben-Zuordnungen«
Dieser Kommentar wurde am 22.01.2020 um 00.49 Uhr verfaßt.

In Finnland überkommt mich immer ein leichtes Schmunzeln, wenn ich die Verschriftung der Sprache sehe. Ich finde es im Vergleich zum Deutschen, wo z. B. Saal, Haar, Paar beim Umlauten (Plural, Diminutiv) einen Vokal einbüßen (Säle, Härchen, Pärchen), immer bemerkenswert, wie im Finnischen streng nach Aussprache auch Umlaute gnadenlos verdoppelt werden.

So enthält gefühlt jedes zweite Wort mindestens ein ää, außerdem meist noch ein paar einzelne ä, wozu auch die Vokalharmonie beiträgt, wie z. B. bei jääteetä (den Eistee, Akk.).
Auch uu, ii, sogar yy kommen ziemlich oft vor, dazu jede Menge doppelte Konsonanten. Die Aussprache verlangt es eben, daß Kultur auf finnisch kulttuuri geschrieben wird.
Es gibt Wörter, da stehen drei Doppelbuchstaben hintereinander.

Na ja, so sind eben die Regeln in anderen Sprachen, ist schon in Ordnung. Es wirkt halt auf uns nur so archaisch. Wenn ich denke, wie die deutsche Schrift aussähe, wenn wir ein ähnlich pedantisches Lautschriftsystem hätten ...

Dreifachkonsonanten wie im Deutschen den Reform-Spitzenreiter sss habe ich in Finnland allerdings noch nicht gesehen. Wollten die deutschen Reformer die Finnen übertrumpfen?



Theodor Ickler zu »"Bildungssprache"«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 09.43 Uhr verfaßt.

Gerhard Augst erklärt fünf Bildungswörter:

https://www.youtube.com/watch?v=1LRkSboN2_Y

Aber was bedeutet das sechste ("Hehehehe")?


Theodor Ickler zu »Lug und Trug«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 09.34 Uhr verfaßt.

Der österreichische Germanist Robert Saxer, ein besonders heftig argumentierender Reformunterstützer, erfand einige neue Bezeichnungen:

Bis 1998 gibt es eine Pilotphase – in Österreich geprägt durch intensive einschlägige Lehrerfortbildungsaktivitäten –, bis zum Jahr 2005 eine Simultanphase, in der alte und neue Schreibung nebeneinander existieren; ab 2005 gilt nur mehr die neue Schreibung. („Die Rechtschreibreform. Ihre Folgen – ihre Verfolger“. Informationen zur Deutschdidaktik 1/1997)

In Wirklichkeit wurde zum Beispiel an den bayerischen Schulen die Reform schon 1996 mit aller Macht eingeführt (von sehr unsicheren Lehrern), wie ich als Vater einer damals grundschulpflichtigen Tochter bezeugen kann.

Aber "Pilotphase" und "Simultanphase" sind wirklich hübsch.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 06.58 Uhr verfaßt.

Gestern brachte die FAZ einen langen Artikel über die Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg (Pariser Konferenz). Darin wurde gezeigt, wie wenig die immer müder werdenden Politiker der Siegermächte von dem Gebiet wußten, über das sie entscheiden sollten. Folglich kamen die Geographen und anderen Experten zum Zuge. Mich erinnert das an die Rechtschreibreform: Keiner der Kultusminister und Ministerpräsidenten hatte eine Ahnung von Rechtschreibung, zum Zuge kamen die Experten, die den Fuß in der Tür hatten, d.h. sich das Gehör der Ministerialräte zu verschaffen gewußt hatten. Natürlich waren das die Reformaktivisten. Man kann das mit dem klassischen Lobbyismus vergleichen, auch wenn die Reformer überwiegend keine wirtschaftlichen Interessen hatten, sondern nur den Ehrgeiz eines Gerhard Augst (von ihm selbst so dargestellt).


Theodor Ickler zu »Weltuntergang steht bevor!«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 06.13 Uhr verfaßt.

Danke, ja! Weiß nicht, wieso ich es nicht elbst gefunden habe.

Immer noch lesenswert, weil da alles beisammen ist, sogar dies:

Natürlich kann darüber diskutiert werden, ob es sinnvoll ist, dieses besondere Merkmal der deutschen Sprache, das(ss) sie von anderen europäischen Sprachen abhebt, beizubehalten.

Also schon 1997 macht Saxer den Fehler, den wir für die Heysesche s-Schreibung vorausgesagt haben.

Auch die Majonäse fehlt nicht.

Der Tonfall ist im Laufe der nächsten Jahre immer wilder geworden, auch wilder als bei Földes, mit dem er sich die Bälle zuspielte.


Gast zu »Weltuntergang steht bevor!«
Dieser Kommentar wurde am 20.01.2020 um 23.49 Uhr verfaßt.

Saxers Beitrag von 1997 ist vielleicht dieser?

https://ide.aau.at/wp-content/uploads/2019/01/1997-1.pdf


Theodor Ickler zu »PISA«
Dieser Kommentar wurde am 20.01.2020 um 18.40 Uhr verfaßt.

Wer zur Bundespolizei will, darf künftig beim Deutschtest mehr Fehler machen. (...)
Bei den Sprachfertigkeiten von Bewerbern wurde außerdem die Fehlertoleranz im Diktat für das Auswahlverfahren mittlerer Dienst "geringfügig angehoben". Zum Beispiel wurde das Wort "Chrysantheme" herausgenommen, um einem größeren Bewerberkreis auch in den nachfolgenden Tests die weitere Teilnahme zu ermöglichen.
(Tagesschau 20.1.2020)


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