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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 21.07.2024 um 15.26 Uhr verfaßt.

Ich hab es mit unseren skeuomorphen Küchenmöbeln ausprobiert, meine Frau war auch schwer beeindruckt.


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 21.07.2024 um 12.53 Uhr verfaßt.

Man stellt den Kindern solche Aufgaben: „Stell dir zwei Männer vor; der eine hat einen Hund, der andere stellt sich nur vor, daß er einen hat“ usw. (Paul L. Harris: The work of the imagination. Malden u. a. 2000:60). - In die Aufgabe ist die Alltagspsychologie bereits eingebaut, die die Versuchsperson mit dem Versuchsleiter teilt. Es kommt heraus, wie gut das Kind schon in den folkpsychologischen Jargon eingeübt ist. Das ist aber nicht das, was bewiesen werden soll.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 21.07.2024 um 12.47 Uhr verfaßt.

Krankheitserreger haben kein Geschlecht, folglich sind sie maskulin. Was zu beweisen war.
(Das sollte man in petto haben, wenn einem ein Genderer auf den Leib rückt.)


Theodor Ickler zu »Der bitterböse Friederich«
Dieser Kommentar wurde am 21.07.2024 um 10.52 Uhr verfaßt.

Katzen ziehen die Pfote nicht deshalb vom heißen Blechdach zurück, weil es ihnen wehtut, sondern weil es das Gewebe schädigt und die Reaktion sich stammesgeschichtlich, wenn auch lange vor der Entstehung der Feliden, als überlebensdienlich entwickelt hat. Und wenn man nach der "proximaten" Ursache fragt, wie die Philosophen sagen, dann sucht man im Nervensystem, und dort findet man keine Schmerzen, sondern Nozizeptoren und ähnliches.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 21.07.2024 um 05.47 Uhr verfaßt.

Kürzlich habe ich meine Frau mit einem kurzen Vortrag über skeuomorphe Triglyphen beeindruckt und auch nicht unerwähnt gelassen, daß schon Vitruv in Kap. IV, 2, 4 der Sache nach das Richtige getroffen hat. Sie brauchte ja nicht zu wissen, daß meine Weisheit erste eine halbe Stunde alt war. Wie ich aus Romanen weiß, schauen Frauen gern zu gebildeten Männern auf, sie brauchen das immer wieder, ebenso wie jenes „Ich liebe dich“, das wir so redundant finden. (Wir denken: Einmal erklärt, gilt es bis auf Widerruf, aber das ist natürlich ganz verkehrt.) Übrigens sind die schon diskutierten Trittbretter an Autos auch „skeuomorph“. Also schnell noch einmal nachschauen und dann möglichst beiläufig erwähnen! Und zum Schluß nicht vergessen: „Ich liebe dich trotzdem!“


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 21.07.2024 um 05.20 Uhr verfaßt.

Jugendfunktionärinnen schreiben frisch-fröhlich über gendergerechte Sprache, d. h. vor allem über die bisher so ungerechte Sprache. So haben sie es gelernt, und so geben sie es weiter, und bei geringer Übersicht leuchtet es ja auch ein. Ich brauche keine Belege anzuführen, alle tun es. Von grammatischer Aufklärung ist keine Besserung zu erhoffen, die Bewegung ist einfach zu breit. Selbst wenn wir eine der jungen Frauen in monatelangen Bemühungen davon überzeugt haben, daß sie einer Irrlehre gefolgt ist, bleiben Millionen andere, und unsere Schulen werfen ständig neue aus.
Wenn sich die – aus linguistischer Sicht eigentlich sehr einfachen – Tatsachen der inklusiven Opposition usw. noch einmal durchsetzen werden, wird es aus äußerlichen Gründen geschehen, etwa Überdruß und Unverständlichkeit, oder nach einer Machtergreifung durch Gegenkräfte, die man sich auch nicht wünschen mag.
Wenn ein seriöser Politiker die lobenswerte Idee hat, das Gendern in amtlichen Texten zu untersagen, wird er als reaktionärer Bösewicht niedergeschrien. Keine Chance.


Theodor Ickler zu »Der bitterböse Friederich«
Dieser Kommentar wurde am 21.07.2024 um 05.11 Uhr verfaßt.

Schmerz ist keine Beobachtungstatsache, sondern gehört zur Erlebniswelt sprechender Wesen. Die objektive Bezeichnung der Schmerznerven ist daher „Nozizeptoren“, worin die Gewebeschädigung, nicht die subjektive Empfindung ausgedrückt ist. Ob Tiere Schmerzen haben oder nicht, kann der Biologe auf sich beruhen lassen; am Verhalten der Tiere ändert es nichts. Die gesamte „Phänomenologie“ des Erlebens ist für die Tierverhaltensforschung eine überflüssige Zutat. Aus sprachkritischer Sicht hat es keinen Sinn, nach dem Bewußtsein von Tieren zu fragen, schon weil man sich nicht vorstellen kann, wie eine mögliche Antwort aussähe. Oder: ob und wie weit Tiere "über sich selbst nachdenken" usw. (s. Bericht in der SZ, wo auch der Philosoph Albert Newen dazu befragt wird).


Manfred Riemer zu »Der bitterböse Friederich«
Dieser Kommentar wurde am 20.07.2024 um 22.22 Uhr verfaßt.

Niemand würde einen angeblichen Fehlschluß verwenden, wenn er nicht davon überzeugt wäre, daß es gar kein Fehlschluß ist.

Ist etwa eine unangenehme Empfindung (z. B. Schmerz) nicht der Grund, diese Empfindung zu vermeiden? Also eine Schutzvorrichtung? Wozu sonst sind Schmerzen da?


Theodor Ickler zu »Der bitterböse Friederich«
Dieser Kommentar wurde am 20.07.2024 um 11.55 Uhr verfaßt.

Zur New Yorker Deklaration:

Die Unterzeichner vermuten, daß „a wide range of animals, including all vertebrates and many invertebrates, are likely conscious and able to subjectively experience the world.“

Das „likely“ ist gegenstandslos, weil der Sachverhalt grundsätzlich nicht festgestellt werden kann.
„Octopuses avoid pain and seek pain relief, suggesting they have subjective experiences.“
Das sind keine Beobachtungstatsachen, sondern mentalistische Deutungen. So auch im folgenden: „Behaviors like learning, planning, problem-solving, and self-recognition provide compelling evidence that invertebrate minds are more complex than commonly assumed.“
Tintenfische sind lernfähig (nicht sehr überraschend).
Die Heranziehung von Fruchtfliegen befremdet; sie sind stammesgeschichtlich Hunderte von Millionen Jahren von uns entfernt, und die Analogie im Schlafverhalten sagt gar nichts. Insekten und Krustentiere einzubeziehen ist der besondere Stolz der Verfasser. Ihr Text wird dadurch zu einem Dokument des Vegetarier-Fanatismus, wie von PETA bekannt.
Übrigens: Eine Auster zieht sich krampfhaft zusammen, wenn der Feinschmecker sie mit Zitronensaft beträufelt. Was ist davon zu halten?
Selbst wenn der Begriff „Bewußtsein“ (neuerdings oft durch das ebenso unbestimmte „sentience“ ersetzt) besser definiert wäre, würde aus dem Nachweis bei Tieren keine Verpflichtung des Menschen folgen. „There are strong reasons to think many invertebrates are conscious, and a realistic possibility of sentience creates an obligation to avoid doing things that might harm them.“ – Dieser Fehlschluß gehört zu den bekanntesten überhaupt und sollte nicht mehr zulässig sein, ebenso wie die vielen Beispiele von Petitio principii im gleichen Text.
Die "eminenten" Unterschriften beeindrucken mich nicht.


Theodor Ickler zu »Der bitterböse Friederich«
Dieser Kommentar wurde am 20.07.2024 um 06.36 Uhr verfaßt.

„Bei immer mehr Tieren entdecken Wissenschaftler Formen von Bewusstsein.“ Tina Baier berichtet auf einer ganzen Seite der SZ (20.7.24): Spiegeltest, schlaue Oktopusse usw. Der freie Wille von Fruchtfliegen wird erforscht. In deren Gehirn gibt es nämlich Zellen, die „mal so und mal so feuern“. Das haben wir uns immer unter Willensfreiheit vorgestellt.
Am Ende geht es um Tierschutz und die „New York Declaration on Animal Consciousness“. Deklarieren kann man vieles.


Theodor Ickler zu »Heilige Texte«
Dieser Kommentar wurde am 20.07.2024 um 05.01 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1544#27634
Als moralische Quintessenz der Bhagavadgita gelten jene Verse (11, 34), in denen der Krieger belehrt wird: Du darfst und sollst deine Feinde (auch wenn sie deine Brüder sind) töten, denn eigentlich sind sie schon tot, nämlich von Gott getötet – du mußt es nur noch ausführen:
mayâ hatâṁs tvaṁ jahi mâ vyathiṣṭhâ
yudhyasva jetâsi raṇe sapatnân

Das ist natürlich als moralischer Leitfaden ziemlich bedenklich, weil es die Schwierigkeit der Entscheidung nur verschiebt: Woher weiß ich denn, welche Tat gottgewollt ist und welche nicht? Normalerweise haben wir ja keinen göttlichen Wagenlenker neben uns. – Aber wer wird an heilige Texte solche Fragen stellen? Wir kennen das ja auch.
Als Kinder haben wir die beabsichtigte Schlachtung Isaaks durch seinen Vater und die Leiden Hiobs samt Kompensation als erbauliche Geschichten über vorbildlichen Gehorsam hingenommen. Später läßt man es auf sich beruhen, es sind halt alte und heilige Texte.
Jacob Grimm erinnert in seinem Vortrag über den Ursprung der Sprache schlicht daran, daß Gott, wenn er zu Moses gesprochen hat, auch einen Mund und Zähne haben muß, die Zähne aber nur Sinn haben, wenn er auch beißt und kaut usw. Spätere Leser oder Hörer nehmen es hin oder flüchten sich ins Allegorische, Symbolische, wo alle Katzen grau sind. Aber die Altvorderen hatten mit solchen Vorstellungen kein Problem. Wie unsere Kinder noch heute.


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 20.07.2024 um 04.34 Uhr verfaßt.

Sprachwissenschaftler und Philosophen scheinen kein Problem darin zu sehen, daß „Ereignisse versprachlicht“ werden (wie es auch in der umfangreichen IdS-Grammatik mehrmals heißt). Sprachverhalten wird von verschiedenen Reizen gesteuert, aber man kann nicht sagen, daß es diese Reize versprachlicht. Was also ist gemeint? Wer von seiner Urlaubsreise erzählt, "versprachlicht" sie – oder wie?


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