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»Sprachwissenschaft«


Beiträge zum Thema

»Wortbildung durch Ableitung
Hier: Vom Verb zum Adjektiv«

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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 07.11.2007 um 16.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=150#2503


Zu Herrn Schatte (hier): >>Daß "aufwendig" nicht vom Partizipialstammnomen "Aufwand" kommt, dürfte ja wohl hinlänglich klar sein.<<

Eigentlich schon. Andererseits steht die ganze Reform unter der Prämisse, daß man ohne viel linguistisches Vorwissen "richtig" schreiben können soll (vgl. dazu Munske zur ck-Trennung, Abschnitt I.1: "Die Erlernung und Beherrschung der deutschen Orthographie soll möglichst wenig linguistisches Wissen erfordern. Linguistische Operationen oder gar Spitzfindigkeiten sind zu vermeiden."), wobei "richtig" natürlich nicht "nach linguistischem Maßstab richtig" bedeutet, sondern einfach nur "regelkonform". Anders (und bewußt übertrieben) formuliert: Wie sich Klein-Fritzchen vorstellt, daß es richtig sein könnte, so soll es richtig sein. Da passen natürlich sowohl die Schreibung aufwändig als auch die zugehörige "Erklärung" "von Aufwand" perfekt ins Bild.

Wie ist das eigentlich in anderen Fällen: Die Ableitung Aufwand von aufwenden ist ja nicht die einzige, bei der sich der Vokal ändert; mir fallen ad hoc noch folgende Beispiele ein: brennen – Brand; stehen – Stand; verbinden – Verband; versenden – Versand. Allerdings sind die zugehörigen Adjektive anders gebildet als bei aufwendig (brennen – brenzlig; verbinden – verbindlich). Adjektive mit ä findet man etwa bei bestehen – Bestand, beständig; verstehen – Verstand, verständig, verständlich. Ob das daran liegt, daß – im Unterschied zu aufwenden – der Infinitiv dieser Verben kein -nd- hat und dieses erst – zusammen mit dem a, das dann zum ä wird – in der Imperfektform bzw. beim Partizip auftritt?

Was gibt es noch für Beispiele? Läßt sich daraus eventuell eine Erkenntnis gewinnen, die man neben dem, worauf Herr Schatte hingewiesen hat, dem reformerischen "aufwändig von Aufwand" entgegenhalten kann – oder lohnt sich die Suche diesbezüglich nicht, weil man dabei Gefahr läuft, einen Vergleich anzustellen, der nicht trägt?
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 16.03.2008 um 18.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=150#3033


Im Wörterbuch von Wahrig findet sich folgendes:

gewandt
ge'wandt
1 › wenden
2 geschickt und flink, beweglich, erfahren; geübt; weltmännisch, verbindlich, wendig; ein ~es Auftreten; ~es Benehmen; ~e Umgangsformen haben; er ist ein ~er Gesellschafter, Redner, Tänzer, Unterhalter; einen ~en Stil schreiben; in vielen Dingen ~ sein [altes Part. Perf. zu wenden; eigtl. „wendig“; › wenden]

Besonders der Schluß des Lemma-Artikels ist aufschlußreich.
Warum also fordert der Neuschrieb nicht „wändig“?
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Karin Pfeiffer-Stolz
Düren

Dieser Beitrag wurde am 16.03.2008 um 20.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=150#3035


Ich habe eben einige Rohkostsalate zubereitet. Das war nun doch etwas "zeitaufwändig".
Wie erklären wir einem Schüler, daß ich dafür viel Zeit "aufgewendet" habe, und nicht etwa "aufgewändet"?
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